Mein Einsatz in einem Kinderheim in Thailand

(von Nicolas, 27.01.2015)

Um es vorwegzunehmen: Thailand, mit seinen Menschen und der durch Hope for Life einhergehenden Arbeit, wird mir sehr fehlen. Als ich Anfang August 2014 für insgesamt sechs Monate das Land des Lächelns betrat, war mir nicht wirklich bewusst, auf was ich mich genau als flexibler Freiwilliger in einem Kinderheim in Chiang Rai eingelassen hatte. Bereut habe ich es aber nie.

Ankunft am Flughafen; das Abholen durch Betreuerin Sumalee Chaeko und ihre Familie verlief problemlos. Small-Talk auf der knapp zwanzigminütigen Fahrt nach Bandoi, der WG wo ich das kommende halbe Jahr wohnen sollte, in dessen Verlauf gleich mal meine potenziellen Thaikenntnisse geprüft wurden. Sumalee spricht für hiesige Verhältnisse sehr gutes Englisch, insoweit konnten Missverständnisse, etwa durch falsches Aussprechen der Landessprache, vermieden werden. Überhaupt war das Verhältnis zwischen Freiwilligen und Betreuern weitgehend entspannt, bei akuten Krankheitsfällen war stets jemand für eine Krankenhausfahrt da und auch bei anderen Problemen wie der Essensmenge, ließ man zumindest mit sich reden.

An Bandoi an sich gibt es fast nichts auszusetzen. Nahezu alle vertraglichen Standards wurden eingehalten: Ein Ventilator im Zimmer, ein funktionierender Kühlschrank, Betten (leider aus Styropor, also hart), Decken und sanitäre Anlagen. Der Boiler funktioniert leider nicht, was mir besonders nach kalten Winternächten Freude bereitete, aber da halfen benachbarte Zimmer gerne aus. Unter der Pergola, oder auch unserem Wohnzimmer wie wir es liebevoll nennen, garantieren Tische, Stühle und Bänke ein angenehmes, abendliches Entspannen. Die Küche im Anschluss bietet außerdem so ziemlich alles an benötigten Kochutensilien, darüber hinaus auch zwei Wasserkocher, einen Gasherd und eine Mikrowelle. Das einzige Manko in Bandoi ist die Auffahrt: Eine Sandfläche nahe einem großen Teich mit Reisfeldern im Anschluss. Der regenreiche September galt gemeinhin auch als der Monat der Ausfälle, da sich der Sandkasten zwischen WG und Straße dann in einen Sumpf verwandelte und selbst mit einem Pick Up oft kein Durchkommen möglich war.

Mein Arbeitsplatz ist gerade mal vier Kilometer entfernt. Ein Fahrrad stand zur Verfügung, leider hatte es immer wieder einen Platten und die Gangschaltung funktionierte nicht richtig. Es lief auf Laufen bzw. Trampen hinaus, womit man in Thailand generell aber gut dran zu sein scheint.

Verpflegungstechnisch war ich nicht ganz zufrieden, zumindest nicht mit der Organisation vor Ort; das gelieferte Essen war in meinem Fall nahezu ausnahmslos zu wenig, im ersten Monat ernährte ich mich ausschließlich vom bereits bezahlten Essen und nahm promt viereinhalb Kilogramm ab. Erst das Entgegenkommen der Kinderheime, mich vor meiner Arbeit regelmäßig zum Essen einzuladen, brachte mich schließlich wieder auf mein Normalgewicht. Zwar sollte nicht verschwiegen werden, dass der Einkauf von zusätzlichem Essen nur wenig kostet, schade ist dann aber, dass man nicht vor vorneherein selber über sein bereits entrichtetes Essensgeld verfügen kann.

Trotz mancher Kritikpunkte waren diese sechs Monate für mich eine unvergesslich schöne Zeit. Hier ein sehr kurzer, chronologischer Abriss:
Angefangen bei meiner Arbeit als vertraglicher Betreuer in einem Waisenhaus, in einem Dorf der Lahugemeinde Huay Plakang. Bereits bei meiner Ankunft wurde schnell klar, dass es eigentlich keines Betreuers bedurfte – die Kinder und Jugendlichen können sich prima selber beschäftigen, zumal der Direktor mit ihnen regelmäßig Aktivitäten unternimmt. Aber ob ich nicht Lust hätte, abendlichen Englischunterricht zu geben? Zwar sind meine Englischkenntnisse nicht die besten, weshalb ich mich explizit nicht als Lehrer gemeldet habe, aber zum Einen werden hier keine hohen Ansprüche gestellt und zum Zweiten, wo wäre die Alternative?

Die Vorteile bei meiner nun verrichteten Arbeit: Ich hatte freie Wahl bei den Themen, wobei die Interessen der Kinder im Vordergrund standen und konnte PowerPoint (auf meinem Laptop) mit gemeinsamen Spielen verbinden. Freie Unterrichtsgestaltung in privater Atmosphäre. Bereits Ende des ersten Monats führte eines zum anderen und das Blessing Home, keine zweihundert Meter entfernt, ließ fragen, ob ich nicht auch dort unterrichten wollen würde. Der Unterschied: Dort leben fast ausnahmslos Teenager, zT in meinem Alter. Die erste Zeit war nicht besonders einfach in einem Raum voll anfangs demotivierter Pubertierender.

Trotzdem sollte sich gerade mit den Gleichaltrigen eine Freundschaft entwickeln, die über eine lockere Lehrer-Schüler Beziehung hinausging, gefördert durch gemeinsame Fußballspiele, Filmabende, Kirchengänge, Weihnachten, Geburtstage, Neujahr und als von mir begeisterten Kampfsportler initiiertes Projekt: Gemeinsamer Unterricht in Selbstverteidigung für Mädchen und Jungen.

Die meisten Jugendlichen in den Heimen sind Akha und Lahu, Angehörige ethnischer Minderheiten, zum Teil sogar aus Myanmar. Als solche besuchen sie im Jahr einige Male ihre Heimatdörfer, mehrere Autostunden von Chiang Rai entfernt und oft nur zu erreichen über schlammige Wege in den Bergen. Bei solchen Gelegenheiten wurde ich ab irgendwann einfach mitgenommen, durfte an den Erntedankfesten, Stammestreffen und Familienbesuchen teilnehmen. Gerade als Agnostiker gestalten sich solche Besuche als sehr interessant, denn obwohl zu mehr als 90 Prozent Christen, mischen sich gerade bei den Festen der Bergstämme noch alte Bräuche mit dem „neuen“ Glauben.

Kurz vor Neujahr packte ich dann meine Sachen und zog um. Ich sollte anmerken, dass es nichts mit Bandoi, meinen Kommilitonen – mit denen ich ohnehin sehr viel Glück hatte - oder gar der Organisation zu tun hatte. Beide Direktoren haben mir angeboten in den Heimen wechselweise nach dem Unterricht zu übernachten. Das sparte Zeit (der Hinweg fiel jedenfalls schonmal weg) und ich konnte das Leben zwischen und bis zu einem gewissen Grad mit den Lahu nun in vollen Zügen auskosten. Der Nachteil war freilich, dass ich kein heißes Duschwasser mehr zu Gesicht bekam.

Das halbe Jahr ging eigentlich viel zu schnell herum und irgendwie bereue ich es ein wenig, nicht ein ganzes geblieben zu sein. Meine Weiterreise jedenfalls macht mich zunächst einmal sehr traurig, auch wenn ich mir sicher bin, meine neuen Freunde und meine zweite Heimat irgendwann wiederzusehen. Für die gesammelten Erlebnisse und Erfahrungen bin ich Hope for Life sehr dankbar, denn ohne meine hier verrichtete Arbeit wären diese wohl nie zustande gekommen.

Fazit: Auch wenn die Organisation vor Ort an einigen Stellen verbesserungswürdig ist, kann ich eine flexible Arbeit als Betreuer (alias Englischlehrer) über die Hope for Life Foundation nur weiter empfehlen.


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