Unterrichten in den Malediven

(von Marthe Hanik, 28.04.2014)

Im Januar 2014 machte ich mich auf den Weg, um sechs Wochen auf den Malediven in einer lokalen Vorschule Englisch zu unterrichten. Das Erste, was ich von dem Inselstaat sah, war türkisblaues Wasser und Palmen, die im Wind wehten. Nach gut zehn Stunden Flug war ich endlich in Malé gelandet und wurde mit dreißig Grad und Sonnenschein empfangen. Wie vermutlich jeder, war auch ich gespannt sowie etwas ängstlich, was mich erwarten würde. Mein Ziel war eine kleine Insel im Süden des Landes, namens Hoandhedhdhoo. Nach zwei Tagen in Malé und ersten Annäherungsversuchen mit der Kultur, flog ich weg von all den anderen Europäern sowie dem Stadtleben, hinein ins Abenteuer. 

 Der erste Eindruck war ein Kulturschock, wie er im Buche steht. Die Insel, welche ausschließlich von Einheimischen bewohnt wird, war für westliche Vorstellungen sehr ärmlich und unhygienisch. Nach einem sehr freundlichen Empfang, ersten Schnorchel-Versuchen und ein bisschen Zeit hatte ich mich jedoch eingewöhnt und begann zu arbeiten.

Die Vorschule Hoandhedhdhoos wird von einer gemeinnützigen Organisation finanziert und betreut, sodass freiwillige Helfer immer mit Freude gesehen werden und man sich bemüht, ihnen eine gute Zeit zu bereiten. Die 67 Schüler im Alter von zwei bis sechs Jahren werden von vier Lehrerinnen in jeweils zwei Morgen- und Nachmittagsklassen (8-11 Uhr; 13-16 Uhr) versorgt und gebildet. Dabei wechseln die Fächer täglich zwischen Mathe, Englisch und Dhivehi, der maledivischen Amtssprache. Sonst liegt das Hauptaugenmerk der Lehrer da drauf, den Kindern eine gute Zeit und viel Spaß zu bescheren. Die erste Reaktion der Kinder auf mich war Angst und Schock, da sie noch nie zuvor in ihrem Leben einen so großen und dazu noch weißen Menschen gesehen hatten. Schon am zweiten Tag jedoch war die Neugier größer als der Respekt, sodass ich von diesem Zeitpunkt an immer eine Gruppe Kinder um mich herum hatte. Es war ein tolles Gefühl, als ich um die Insel spazierte, immer wieder ein Schüler vorbei lief und mit einem Kichern meinen Namen rief.

Nach anfänglicher Schüchternheit und Zurückhaltung begann ich mich mit meinen Kolleginnen, welche alle in meinem Alter waren, anzufreunden und tiefer in die Kultur und Lebensweise der Insel einzutauchen. Schien zu Beginn noch alles fremd und angsteinflößend, so wurde man mit der Zeit auch von den älteren Bewohnern akzeptiert und in die soziale Gruppe aufgenommen. Ich werde meine ersten Lagerfeuer/ Barbeques, die frischen Fische und den Spaß mit meinen Freunden nie vergessen. Genauso wenig, wie die Schnorchel Ausflüge bei Tag und bei Nacht, oder den unfassbar schönen Sternenhimmel, wenn man auf dem Rand eines Bootes im indischen Ozean sitzt und die einzige Lichtquelle aus der Natur kommt.

Die größten Herausforderungen während meines Einsatzes stellten für mich die fremde Sprache/Schrift und die abweichenden Verhaltensnormen, aber vor allen Dingen die streng zu befolgende Religion dar. Während die meisten Menschen, wenn sie an die Malediven denken, das Paradies mit weißen Sandstränden, auf denen man im Bikini liegt, im Kopf haben, so entspricht die Realität etwas komplett Anderem. Staatsreligion des Landes ist der Islam, keine andere religiöse Strömung ist erlaubt und abweichende Äußerungen werden streng geahndet. Für eine Frau bedeutet dies im Prinzip Einschränkungen, was die Kleidung und das Verhalten gegenüber Männern betrifft. Als liberal und selbstbewusst erzogene Europäerin waren diese Restriktionen natürlich ungewohnt und schwer nachzuvollziehen, vor Allem wenn es um die Gestaltung der Freizeit und der eigenen Zukunft ging. Die mir am häufigsten gestellte Frage in diesem Zusammenhang war, um nur ein Beispiel zu geben, ob ich schon und danach warum ich noch nicht verheiratet wäre, schließlich wäre man mit 19 dafür im perfekten Alter.  Obwohl es ungewohnt war, per Gesetz an eine Religion gebunden zu sein, ist es letztendlich alles nur eine Frage der Toleranz und Anpassungsfähigkeit. Denn trotz der einseitigen Erziehung würden die Malediver niemals versuchen, Fremden ihre Religion oder ihren Glauben aufzuzwingen.

Während meiner Arbeit in der Schule organisierte ich ein Sportfest für die Kinder. Es bestand aus Wettrennen, Kuchen- Wettessen sowie der Reise nach Jerusalem und bereitete der gesamten Inselbevölkerung Spaß. Ansonsten verfiel ich sogar zwischen Palmen und Sonnenschein in einen typischen Arbeitsalltag, den ich jedoch niemals missen wollen würde. Die mir bekannten Malediver hatten zwar für Deutsche zum Teil unverständliche, weil für uns unhöfliche, Verhaltensweisen, wie beispielsweise alle Gespräche auf Dhivehi zu führen und Einen dadurch komplett auszuschließen, nichtsdestotrotz waren sie aber auch die gastfreundlichsten und spendabelsten Menschen, die mir jemals begegnet sind. Die Tatsache, dass beinahe alle Kinder anfingen zu weinen, als ich die Insel verließ, bewies mir noch einmal, dass ich mit etwas mit meiner Arbeit bewirkt und vielleicht sogar die Offenheit und Toleranz für andere Kulturen gefördert hatte.

Ich habe durch meinen Aufenthalt auf den Malediven gelernt, kulturelle und religiöse Unterschiede zu akzeptieren und wertzuschätzen, genauso wie die europäische Arroganz und Überheblichkeit gegenüber asiatischen Ländern abzulegen und das Inselleben mit all seiner Ruhe und Entspanntheit zu genießen.

Ich würde diesen Einsatzort ohne Zweifel an jeden weiter empfehlen, den es nicht stört sich anzupassen und Regeln zu folgen, die vielleicht nicht der eigenen Erziehung entsprechen. Zusätzlich sollte man gewappnet sein für die hohe Spontanität der Malediver, die dem ganzen Aufenthalt jedoch noch mehr Spannung verleiht. Letztendlich liegt es an Einem selbst, ob man sich die Insel zu seinem eigenen kleinen Paradies macht, das Potential besteht in jedem Fall. Ich würde meine Erfahrungen gegen Nichts in der Welt eintauschen wollen und bin unendlich froh, meine Zeit auf den Malediven verbracht zu haben.

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