Unterrichten in Togo

(Ein Erfahrungsbericht von Justin / 19.03.2014)

Ich bin nun wieder in Deutschland, lasse die Eindrücke Revue passieren und versuche mal einiges davon aufzuschreiben:

Zunächst vielleicht noch ein paar Infos zu meinem Projekt. Ich war in Togo, Westafrika, in einer (für die Verhältnisse) größeren Stadt stationiert und habe an zwei Schulen unterrichtet. Das ganze habe ich direkt nach dem Abi gemacht, für sechs Monate einfach mal ganz wo anders hin. Und ganz wo anders war es dann auch, zumal ich mich bewusst für ein Entwicklungsland entschieden habe, da ich nicht einfach nur weg sondern mal an das untere Ende der Leiter wollte. Für mich war es dann noch wichtig, dass ich dort nicht einfach nur »Urlaub« mache, sodass ich ein Freiwilligenamt übernommen habe.



So viel dazu, jetzt zum eigentlichen Aufenthalt. Da ich nun mal in Afrika war, viel mir schnell auf, dass ich doch ein wenig auffalle. Am Flughafen gab es noch einige andere Weiße, aber sobald ich in meiner Stadt war, kam ich mir erstmal wie der einzige Weiße auf 100km vor. Natürlich traf das nicht so ganz zu, da in der Stadt (die übrigens Kpalimé heißt, wen es interessiert) noch einige andere Freiwillige stationiert waren oder sind und sogar ein paar Europäer dort leben, weil sie z.B. eine Einheimische Frau geheiratet haben.

Wie schon erwähnt, war ich selber im Bereich Bildung tätig, was sich zu Beginn (ich bin Anfang September angekommen) etwas schwierig gestaltete, da noch Ferien waren. Trotzdem konnte ich ein paar einheimischen Lehrern bei einem Ferienunterricht helfen. Das war vielleicht auch ganz gut, so konnte ich mich mit verminderter Schülerzahl erstmal eingewöhnen. An der Schule lernte ich auch direkt einen Einheimischen kennen, der in meinem Alter war und schon recht gut Deutsch sprach, was mir sehr entgegen kam, da ich (leider?) in der Schule in Deutschland kein Französisch gehabt habe. Die Mitglieder meiner Organisation vor Ort sprachen alle Englisch, sodass ich mich auch dort ganz gut unterhalten konnte.

Trotzdem empfehle ich eher mit Französischkentnissen in ein französischsprachiges Land zu gehen. Zwar kann ich mich jetzt ganz gut unterhalten, aber am Anfang war die Kommunikation doch ziemlich schwierig, besonders mit meiner Gastfamilie, bei der ich die sechs Monate gewohnt habe, da dort keiner Englisch (oder nur so viel wie ich Französisch; ich hatte immerhin einen Kurs bei der Volkshochschule gemacht) sprechen konnte.

Auch wenn ich dem entsprechend zunächst immer mit Wörterbuch herumgelaufen bin, kam ich aber mit meiner Familie gut zurecht und wurde auch freundlich aufgenommen. Es wurde sogar extra für mich, ohne das ich danach gefragt hätte, ein neues Bett gekauft (natürlich nicht nur für mich, ich war ja schließlich nur sechs Monate da). Ich hatte ebenfalls eine eigene Dusche und Toilette in einem Raum mit meinem Bett, nur durch eine kopfhohe Wand getrennt, sodass ich noch näher an eine Sauna herankam, als man es hier sowieso ständig ist. Aber Tropen sind nun mal Tropen, da macht es das bisschen dann auch nicht mehr aus.

Was den tierischen Anteil in meinem Zimmer angeht, so war da nur das übliche Krabbelvieh, aber da ich ein Fliegennetz mitgebracht hatte, zumindest in der Nacht kein Problem.
Nun wieder zum eigentlichen Freiwilligendienst. Als die Schule dann endlich begonnen hat (es gab noch einige Verzögerungen auf Grund mehrerer Lehrerstreiks, da diese seit einem Jahr kein Gehalt mehr vom Staat bekommen hatten) war ich dann in einer anderen Schule untergebracht, bei der ich auch den Rest meines Aufenthaltes verbracht habe. Diese Schule wurde 1962 in deutscher Zusammenarbeit gegründet und so waren die Lehrer natürlich sehr erfreut über einen deutschen Freiwilligen.

Generell sind die Einheimischen hier sehr gut auf Deutsche zu sprechen, was an den Überbleibseln der Kolonialzeit (Togo war von 1884 bis 1916 deutsches Gebiet, danach bis 1960 französisches und seitdem unabhängig) liegen kann, da noch einige von den Deutschen erbaute Straße vorhanden sind und nicht gerade die schlechtesten hier, trotz dem Alter. Wahrscheinlich verklärt die lange Zeit ein wenig die Tatsachen, aber die Einheimischen hätten gerne wieder weitaus engere Zusammenarbeit mit Deutschland, ganz im Gegenteil zu Frankreich. Die Franzosen haben das Land damals ziemlich herabgewirtschaftet (wozu die Deutschen vielleicht nicht mehr gekommen sind?), was hier in Erinnerung geblieben ist. Deswegen gibt es auch viel Zusammenarbeit von Organisationen aus Deutschland mit Togo, wodurch dann z.B. viele Schulen gebaut wurden und gebaut werden.

An meiner Schule hatte ich dann auch einen Deutschlehrer, der die Schule mit gegründet hat und mit dem ich mich auch auf Deutsch gut unterhalten konnte.
Der Unterricht war hauptsächlich Deutsch, wobei ich auf französisch und mit Gestik versucht habe alles zu erklären. So weit ich das gemerkt habe und mir die Schüler das gesagt haben, hat das auch gut geklappt, zumal bei den einheimischen Lehrern noch eher die etwas älteren Methoden angewandt werden (den klassischen Rohrstock gab es zwar nicht an meiner Schule, aber ich hab von anderen gehört, dass das wohl noch die Ausnahme ist). Natürlich hat es auch so Spaß gemacht mit den Schülern, zumal die paar Sätze auf Deutsch dann doch manchmal etwas komisch waren, aber nur umso lustiger.

In meiner Freizeit habe ich kleine Ausflüge und in den Ferien sogar eine Reise durch Togo machen. Dabei konnte mich meistens ein Mitglied der Organisation als Guide begleitet. So konnte ich einiges von dem Land und den Besonderheiten der Region kennen lernen, was besonders interessant war. Z.B. die Vegetation der Tropen, die ländlichen Gebiete und die Kultur.

Um auch mal die vielleicht etwas nicht so schönen Dinge anzusprechen: natürlich ist es dreckig in den Straßen, aber in den meisten Städte gibt es eine Kanalisation. Auch die Krankenhäuser entsprechen nicht unseren Standards, aber ich war positiv überrascht, als ich einmal in dem Krankenhaus in Kpalimé war. Sowohl die Hygiene als auch die Ausstattung hatte ich mir schlimmer vorgestellt (man sollte natürlich trotzdem nicht auf seine Reiseapotheke verzichten). Wenn man sich mit Spray, Netz und Tabletten schützt kann man es sogar ohne Malaria schaffen. Ich hatte nur einmal einen Salat nicht gut vertragen, aber ansonsten hab ich die Zeit ohne schlimmere Krankheiten verbracht.
Aber nicht nur deswegen würde ich den Freiwilligendienst nochmal machen. Sondern auch für die Erfahrungen die man macht, einerseits eine völlig andere Kultur kennen zu lernen, andererseits auch sich selbst, lohnt es sich.

Man muss selbstständig leben lernen, ohne das gewohnte soziale und reale Umfeld und sieht das Leben in Deutschland anders. Das hört sich zwar wie ein Klischee an, aber man kann sich nichts wirklich vorstellen, bevor man es nicht selbst erlebt hat, sodass es dann immer nochmal anders ist. Gerade nach der Schule bietet es sich einfach an mal weit weg zu gehen und sich so neue Blickwinkel zu eröffnen.

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