"Karibu!"

(Claudia berichtet über ihre ersten Tage in einem Kinderheim in Kenia)

Mein erstes Wort in Swahili, was ich lernte und nichts weniger bedeutet als "Willkommen!"
Am 9. August 2013 empfing mich meine Gastfamilie am Kenyatta National Airport in Nairobi, Kenia.

Was für eine Aufregung! Nur 2 Tage früher brannte es doch hier. Glücklicherweise, hatte alles geklappt und meine Gasteltern sackten mich ein und zeigten mir die Country-Side of Kenya. Freies, zum Teil unbenutztes, zum Teil landwirtschaftlich genutztes Land, hier und da eine freilaufende Kuherde - T.I.A. (This is Africa) ! Wir fuhren nur ca 20-30min, schon waren wir in meinem neuen Zuhause angekommen.

Ein wunderschönes großes Haus, überraschend modern, mit über 200 Hühnern im Hinterhof sowie 3 Ziegen. Zu meiner Familie zählen noch 2 Gastbrüder (28 und 26), meine Gastschwester (24) und ein Neffe (24). Regelmäßig sehe ich jedoch nur den Neffen sowie die Gastschwester, da die Brüder beide bei der Armee arbeiten und nur selten (ca. aller 3 Monate) nach Hause kommen.

 

Schon am nächsten Tag fuhr ich in Begleitung von 14 Koreanern, die für 12 Tage bei uns wohnen sollten, ins Waisenhaus. Um die 40 strahlende Gesichter empfingen uns. Ein Händeschütteln hier, ein High-Five-dort, und der nächste wurde schon vor Freude umarmt. Es war hinreißend.

Ich erhaschte noch 2-3 Tage, in denen die Kinder die Schule besuchten und danach hieß es drei Wochen Ferien! Was für ein Spaß!
Die Koreaner hatten einen festen Plan, an dem jeden Tag gearbeitet wurde. Sie hielten die Kinder beschäftigt und ich assistierte ihnen.

An dem folgenden Wochenende durfte ich mit einem Teil von den Kindern nach Mombasa zum Strand fahren! Oh man, war das aufregend!
15 Leute in einem Matatu (kleiner Van mit 12 Sitzen) und jeder einen kleinen Rucksack vollgepackt mit Aziehsachen für 2 Tage Mombasa.

Am Strand angekommen, gab es kein Halten mehr. Die Kids stürmten in den Ozean und waren nicht mehr zu bremsen! Es war herrlich.
Ich habe schon viele glückliche und strahlende Kindergesichter gesehen, aber was sich mir dort bot, war eine Augenweide.
Aus einem schüchternen Grinsen, wurde ein Lächeln, was sich binnen Sekunden in ein berauschendes Gelächter entwickelte. The joy of a heart.
Beim Spielen mit den Kleinen wurde mir erst klar, wie neu und bezaubernd dieser Tag für sie werden wird.

Sie kannten kein "Toter Mann" - Spielen. Als ich es ihnen erklärte und jeden einmal unter den Rücken fasste, und ihn über das Wasser vorsichtig gleiten ließ, war die Freude überwältigend. Die größeren überraschte ich mit kleinen Tauchaktionen. Ich nahm einen 13 Jährigen Jungen auf die Schultern und verblüffte ihn, indem ich seine Beine hoch in die Luft warf und er nach hinten ins Wasser fiel. Die Verwunderung war ihm im Gesicht abzulesen und er schrie nach einer zweiten Runde. Ich versuchte zwei ältere Mädels davon zu überzeigen ebenfalls jemdanden auf die Schultern zunehmen, damit diese dann versuchten, sich gegenseitig runterzuwerfen. Aber das Tauchen war ihnen nicht so geheuer.

Wir veranstalteten eine Bolognese und viele andere Badegäste wollten daran teilnehmen.

Viele waren an meiner Hautfarbe interessiert und somit stand ich wohl oder übel unter ständiger Beschattung. Die Mädchen hatten jedoch ihren Spaß die Männer abzuwimmeln und scherzten mit ihnen, ich wäre kein „mzungu“ (lit: weiße Person in Swahili). Es gab so viel zu Lachen. Der Tag war perfekt.

Am Abend auf der Rücktour im Bus waren alle innerhalb kürzester Zeit eingeschlafen und auch unser Sorgenkind Oscar, der auf wackeligen Straßen Übelkeit verspürt, schlief schnell an meiner Schulter ein. Er hatte Angst einzuschlafen um dann in seinem Erbrochenen aufzuwachen. Doch dies geschah nie. Ich streichelte seinen Rücken entlang, gab ihn einen Knutsch auf die Stirn und schon schlummerte er im Himmelreich der Träume. Im Schlaf umklammerte er meine Hand und beim nächsten Toiletten-Stop flüsterte er, er wünschte ich wäre seine Mama.

Das war bisher der emotionalste Augenblick, den ich in Kenia mit den Kindern, speziell auch mit ihm, erleben durfte. Die Kinder haben so wenig Erfahrung in Lieben und Geliebt werden, dass es mich immer noch erschreckt. Die Liebe einer Mutter ist ihnen fremd und sie erfreuen sich so viel mehr an kleinen Gesten, als an Geschenken, die die Freiwilligen mitbringen.Natürlich werden materielle Dinge immer gebraucht, aber das Herz eines Kindes sehnt sich doch nach Fürsorge, Zuneigung und Liebe.

In den Ferien wurde weiterhin fleißig getanzt, und sauber gemacht. Mit einer Freiwilligen aus Deutschland, Klara, strich ich einige Betten der Mädchen neu.Durch ihrem Verein konnten 4 Betten gespendet werden, die durch tatkräftige Unterstützung der Kinder und auch durch die Jugendlichen innerhalb eines Tages in 4 verschiedenen (mitunter selbstgemischten) Farben, fertig gestrichen werden konnten.

Schon bald geht die Schule wieder los und ich werde meinen ersten Einblick bekommen, wie die Schule direkt im Waisenhaus abgehalten wird. Ich kann es kaum erwarten. Schon jetzt übe ich mit den Kleinsten ein paar Englisch Wörter und sie sind mit Eifer dabei.

Habe ich es bereut nach Kenia zu gehen? - Nicht für eine Sekunde.

Mit Sicherheit muss an manchen Stellen über seinen Schatten gesprungen werden, vor allem was die Hygiene betrifft, und auch der Kulturschock bleibt nicht aus.

Aber hey: T.I.A. ! - Und das sollte immer im Kopf behalten werden...

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